Entkernung: wann sie sich lohnt und wie sie abläuft
Bei der Entkernung bleibt das Tragwerk stehen. Das eröffnet Möglichkeiten, bringt aber eigene Risiken mit.
Was entkernt wird und was bleibt
Ausgebaut werden Innenwände ohne tragende Funktion, Estriche, Bodenbeläge, abgehängte Decken, Türen, Fenster, Sanitärobjekte sowie sämtliche Leitungen und haustechnische Anlagen. Stehen bleiben Tragwerk, Außenwände und meist das Dach.
Das Ergebnis ist ein nutzbarer Rohbau, der neu belegt werden kann. Bei Umnutzungen von Büro- zu Wohngebäuden ist das der übliche Weg.
Die Entkernung kann auch der erste Schritt eines späteren Komplettabbruchs sein, weil sich Wertstoffe im aufrechten Gebäude deutlich sauberer trennen lassen als im Trümmerhaufen.
Wirtschaftliche Überlegungen
Der Erhalt des Tragwerks spart Rohbaukosten und häufig auch Zeit im Genehmigungsverfahren, weil kein Neubau im bauplanungsrechtlichen Sinne entsteht. Bei Bestandsschutz kann das entscheidend sein.
Dem stehen hohe Personalkosten gegenüber. Entkernung ist Handarbeit, und die Fläche wird je Quadratmeter abgerechnet, üblicherweise in einer Spanne von 40 bis 110 Euro.
Rechnen lässt sich der Vergleich erst, wenn die Schadstofflage bekannt ist. Ein Tragwerk, dessen Erhalt eine aufwendige Sanierung erzwingt, ist unter Umständen teurer als ein Neubau.
Der typische Ablauf
Zuerst wird erkundet und beprobt. Dann folgt die Demontage wiederverwendbarer Bauteile, anschließend die Schadstoffsanierung in abgeschotteten Bereichen und zuletzt der Ausbau der übrigen Materialien nach Fraktionen getrennt.
Für den Abtransport werden Schuttrutschen oder Bauaufzüge eingesetzt. Container stehen getrennt nach Holz, Metall, Gips, Mineralik und Restmüll bereit, wie es die Gewerbeabfallverordnung verlangt.
Am Ende steht die Reinigung, bei Schadstoffbereichen mit Freimessung, bevor der Bereich wieder freigegeben wird.
Die typischen Überraschungen
Der häufigste Fund ist schwarzer Kleber unter altem Stabparkett. Er enthält oft polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und macht aus einer normalen Position einen Sonderabfall.
Zweiter Klassiker sind asbesthaltige Fliesenkleber und Spachtelmassen. Sie zeigen sich erst, wenn Fliesen abgeschlagen werden, also mitten in der Ausführung.
Deshalb gilt: Je gründlicher die Voruntersuchung, desto weniger Nachträge. Eine zusätzliche Probe im Vorfeld kostet dreistellig, ein Baustopp mitten in der Ausführung schnell fünfstellig.
Häufige Fragen
Was kostet eine Entkernung?
Üblich sind 40 bis 110 Euro je Quadratmeter Nutzfläche, ohne Schadstoffsanierung. Die Spanne ergibt sich aus Ausbaustandard, Zugänglichkeit und Trennaufwand.
Wie lange dauert eine Entkernung?
Für eine Wohnung meist ein bis zwei Wochen, für ein Mehrfamilienhaus mehrere Wochen. Kommt eine Schadstoffsanierung hinzu, verlängert sich der Zeitraum erheblich.
Braucht eine Entkernung eine Genehmigung?
Solange nur nichttragende Bauteile ausgebaut werden, ist sie in der Regel verfahrensfrei. Sobald tragende Teile betroffen sind, ändert sich das und ein Standsicherheitsnachweis wird nötig.
Kann ich während der Entkernung im Haus wohnen?
Bei größeren Maßnahmen nicht. Lärm, Staub und fehlende Haustechnik machen das unmöglich. Bei einzelnen Wohnungen in einem Mehrparteienhaus ist der Weiterbetrieb der übrigen Einheiten dagegen üblich.