Selektiver Rückbau: warum sortenreines Trennen Geld spart
Der selektive Rückbau ist aufwendiger in der Ausführung und günstiger in der Entsorgung. Die Rechnung geht meist auf.
Das Prinzip
Beim selektiven Rückbau wird das Gebäude in umgekehrter Reihenfolge seiner Errichtung zerlegt. Zuerst kommt raus, was zuletzt eingebaut wurde. Jede Materialgruppe wird getrennt erfasst.
Das Gegenmodell ist der Abbruch in einem Zug, bei dem alles gemeinsam anfällt und als Baumischabfall entsorgt werden muss. Der Ausführungspreis ist niedriger, der Entsorgungspreis deutlich höher.
Bei größeren Vorhaben ist die Trennung ohnehin durch die Gewerbeabfallverordnung vorgegeben, sodass sich die Frage nur bei kleineren Projekten wirklich stellt.
Wo das Geld liegt
Der Unterschied zwischen sortenreinem mineralischem Bauschutt und Baumischabfall beträgt je Tonne ein Mehrfaches. Bei einem Wohnhaus fallen mehrere hundert Tonnen an, sodass sich der Aufwand für die Trennung schnell trägt.
Metallschrott bringt sogar Erlöse. Bei Hallen mit Stahltragwerk kann das eine erhebliche Position sein. Fragen Sie ausdrücklich, ob Schrotterlöse gegengerechnet werden.
Dem gegenüber stehen höhere Personalkosten und der Bedarf an Stellfläche für mehrere Container. Auf beengten Grundstücken ist das die eigentliche Hürde.
Was sich gut trennen lässt
Gut trennbar sind Metall, Holz, Glas, Kunststoff und mineralische Massen, solange sie mechanisch verbunden und nicht verklebt sind. Verschraubte und verzapfte Konstruktionen sind ideal.
Schwierig wird es bei Verbundmaterialien: Sandwichpaneele, verklebte Dämmung, beschichtete Bauteile. Hier ist die Trennung teils technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar.
Genau diese Fälle sieht die Gewerbeabfallverordnung vor. Sie müssen dann dokumentiert und begründet werden, und das Gemisch geht in eine Vorbehandlungsanlage.
Was daraus wird
Aufbereiteter Bauschutt wird als Tragschicht, Frostschutzschicht oder Verfüllmaterial eingesetzt. Die zulässigen Einsatzbereiche regelt seit August 2023 die Ersatzbaustoffverordnung bundesweit einheitlich.
Bau- und Abbruchabfälle sind mengenmäßig der größte Abfallstrom in Deutschland. Ein hoher Verwertungsanteil ist deshalb nicht nur ökologisch relevant, sondern bei öffentlichen Vorhaben oft Vergabekriterium.
Für private Bauherren zählt vor allem das eine Argument: Es ist die günstigere Variante, sobald das Projekt eine gewisse Größe hat.
Häufige Fragen
Lohnt sich selektiver Rückbau auch bei einem Einfamilienhaus?
Meist ja, weil die Entsorgungsersparnis den Mehraufwand übersteigt. Voraussetzung ist genug Stellfläche für mehrere Container.
Wie viel länger dauert selektiver Rückbau?
Rechnen Sie mit zwanzig bis fünfzig Prozent mehr Zeit gegenüber einem Abbruch in einem Zug, abhängig von der Konstruktion.
Bekomme ich Geld für den Metallschrott?
Bei nennenswerten Mengen ja. Seriöse Anbieter rechnen den Erlös im Angebot gegen. Fragen Sie danach, gerade bei Hallen und Industriebauten.
Was passiert mit Materialien, die sich nicht trennen lassen?
Sie gehen als Gemisch in eine Vorbehandlungsanlage und werden dort maschinell sortiert. Die Verordnung verlangt, dass die Unmöglichkeit der Trennung dokumentiert wird.